Karl Amadeus Hartmann goes to Kiev

In einer Kooperation mit dem ukrainischen Staatsorchester Kyiv Kamerata, dem Goehte-Institut Ukraine, dem Kiev Summer Music Festival, dem Komponistenverband Ukraine und der Karl-Amadeus-Hartmann-Gesellschaft e.V. findet am 04. Juni 2015 im Konzertsaal der Akademie der Wissenschaften in Kiew (Ukraine) ein Konzert mit Werken von Karl Amadeus Hartmann und Wolfgang Rihm statt.

Gemeinsam mit dem Chefdirigenten und Künstlerischen Leiters der Kyiv Kamerata Valeriy Matyukhin leitet der Dirigent und Leiter der Karl-Amadeus-Hartmann-Gesellschaft e.V. Andreas Hérm Baumgartner, auf dessen Initiative hin das Projekt zustande kam, dieses in jeder Hinsicht besondere Konzert: Ein Akt der Solidarität, ein Zeichen der Verbundenheit in einer existenziell bedrohlichen politischen Situation, in der die Musik Hartmanns mit ihrer Botschaft des Humanismus nicht fehlen darf. In einer begleitenden Einführungsveranstaltung mit dem Thema „Klänge des Friedens!?“ wird ergänzend der Frage nachgespürt, was Musik kann, was sollte Musik/Kunst zu leisten im Stande sein?

Mit dieser Thematik setzt sich auch die aktuelle Entwicklungs-, Konflikt- und Friedensforschung auseinander. Gerade bei Komponisten wie Hartmann, die einen Sensus für gesellschaftspolitische Missstände haben, die mit seismografischer Antenne noch nicht offenkundige Entwicklungen wahrnehmen, ihre ggf. verhängnisvolle Dynamik aufspüren und sich mit Ihrer Kunst damit auseinandersetzen. Die Forschung spricht dabei von der Fähigkeit des „early warning“. Hartmann hat schon Jahre vor 1933 auf jede Art und Weise vor der Gefahr des Nationalsozialismus für die Gesellschaft, die Menschheit, den Humanismus gewarnt.

In jedem Werk thematisierte er dies auf andere Weise und beschwor in Allianzen zwischen den Kulturen, den Religionen sowie den Völkern den Widerstand; zeigte Alternativen auf, zeichnete ein anderes Weltbild. Erstaunlich ist auch, dass er in seinem letzten Werk, der „Gesangsszene“ für Bariton und Orchester, erneut die Fähigkeit des „early warning“ bewies: Texte Jean Giraudouxs assimilierend, vermittelt er eine apokalyptische Vision über das Ende einer sich rauschhaft in eine Todesspirale hineinbegebende Zivilisation. Die anfängliche Fortschrittsdynamik verkehrt sich nicht nur in Rückschritt, sondern in den Untergang, in das „Übel der großen Reiche, das tödliche Übel“. Untergang der Bankenwelt, der gesellschaftlichen Strukturen, Atomkatastrophe und das tödlichste Übel: dass auch der „Seelenschatz“ verlustig geht. Ein leider nur allzu aktuelles Thema.

Programm:

Wolfgang Rihm:

nature morte – still alive

Karl Amadeus Hartmann:

Concerto funebre

Symphonie Nr. 4

 

Katya Suglobina, Violine

Kyiv Kamerata

Leitung: Valeriy Matyukhin, Andreas Hérm Baumgartner